Gastartikel: Unsere Geburt begleitet von Julia

Von falschen Vorstellungen über Geburtsfotografie, ehrlichen Bedenken und letztendlich den schönsten Erinnerungen!


Ein Gastartikel von Patricia Dorn

Bereits vor meiner ersten Schwangerschaft kam ich mit dem Thema Geburtsfotografie über meine Freundin Julia - einer professionellen Familien-und Kinderfotografin - auf eine skurrile Art und Weise in Berührung: Auf ihrem Instagram Kanal erfuhr ich von ihrem Wunsch, einmal in ihrem Leben eine Geburt fotografieren zu dürfen.

Ohne groß nachzudenken kommentierte ich, dass ich ihr diesen Wunsch gerne erfüllen möchte.

Damals hatte ich mich mit Geburtsfotografie jedoch noch überhaupt nicht beschäftigt – warum auch - ohne Baby im Bauch! Das änderte sich dann aber schlagartig, als ich ein paar Monate später meinen kleinen Schatz unter dem Herzen trug.

Ich würde mir meines Versprechens immer bewusster...

Je näher der Entbindungstermin rückte, desto bewusster wurde mir die Bedeutung meines Versprechens.

Die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, waren folgende: Fotos von meiner ersten Geburt? Ich weiß doch selbst überhaupt nicht, was da auf mich zukommt! Auch mein Mann konnte sich erst nicht so recht mit der Idee anfreunden.

Klar wäre es schön, Erinnerungen an die Geburt zu haben, aber ein paar Fotos könnte er doch auch mit dem Handy zwischendurch machen. Sollte etwa jemand in einem der intimsten Momente meines - ja unseres - Lebens mit einer großen Kamera neben mir stehen? Nun war dieser “Jemand” aber meine Freundin Julia, meine Reisekumpanin in Indonesien, meine Trauzeugin auf der dänischen Insel Aero – wenn ich mir jemanden vorstellen konnte, die Geburt meines ersten Kindes zu fotografieren, dann sie!

Hinzu kam, dass ich in dem gleichen Geburtshaus vorhatte zu entbinden, in dem Julia ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Somit konnte sie mir vorab schon viel erzählen, was mich dort erwartete und ich fühlte mich immer wohler mit dem Gedanken, sie auch in diesem Moment des Lebens an meiner Seite zu wissen – nicht nur als Freundin, sondern vor allem als professionelle Fotografin und erfahrene Zweifach-Mutti.

Mama mit Wehen hockt in Geburtswanne, Geburtsfotografie im Geburtshaus

Und dennoch. So ganz überzeugt war ich nicht.

Es blieben Bedenken und falsche Vorstellungen. Was ist, wenn die Geburt nicht interventionsfrei oder sogar mit bleibenden traumatischen Erlebnissen verläuft? Wird es mich nicht noch zusätzlich belasten, wenn ich in ungünstigen Positionen, komplett verschwitzt, ungeschminkt und mit zerzausten Haaren fotografiert werde?

Meinen Mann und mich beschäftigten viele Fragen, was uns eigentlich bei einem Geburtsshooting erwartete.

Julia schmunzelte erstaunt, als ich etwas verwegen sagte, dass ich mir „direkt-zwischen-die-Beine-Fotos“ weniger vorstellen könne.

Ganz offensichtlich besaß ich falsche Vorstellungen von einem Geburtsshooting.

Es geht nicht darum, den Geburtsprozess in allen seinen Details und aus allen Blickwinkeln zu dokumentieren (außer man wünscht sich dieses explizit). Auch geht es nicht um eine Live Dokumentation für den Biounterricht – ganz und gar nicht!

Mama liegt mit gerade geborenen Baby in Geburtswanne im Wasser, Wassergeburt im Geburtshaus

Worum es bei der Geburtsfotografie eigentlich geht

Es geht darum, die vielen Emotionen und Momente einzufangen, die nicht nur die Geburt an sich, sondern auch die Stunden davor und danach so besonders machen:

Das Glücksgefühl, das Baby endlich in den Armen zu halten, den ersten verliebten Blickkontakt des Vaters, die Erleichterung und Freude nach der Geburt, aber natürlich auch die Kraft der Mutter während der schmerzenden Wehen.

Auch die Glücksmomente der ersten Familien-Kuschelzeit, des Bondings, das erste Anlegen an die Brust, das Durchschneiden der Nabelschnur, die Interaktion und helfenden Hände der Hebamme, die ersten Bewegungen des Babys während der U1, das erste Anziehen des Bodys – all dies sind wertvolle und unvergessliche Erinnerungen an den Geburtstag des Kindes und der neu entstandenen Eltern-Kind-Beziehung.

Banner für Checkliste: Der richtige Geburtsfotograf für eure Geburt? Diese 20 Fragen solltest du ihm vorher stellen! Julia Schlenkrich Fotografie

Diese Momente sind es wert, verewigt zu werden, und zwar unabhängig davon, ob die Geburt an sich interventionsfrei verläuft oder nicht.

Die Geburt meines Sohnes war - Gott sei Dank - eine sanfte und schöne Wassergeburt im gemütlich eingerichteten Geburtshaus, die Bilder bezeugen es eindrucksvoll, aber ich kenne auch andere wunderschöne Fotografien von Kaiserschnittgeburten im Kreißsaal.

Zum Glück konnte ich mich von optischen Geburts-Schönheitsidealen frei machen.

Bei allen Geburten, ob nun im Krankenhaus, Geburtshaus oder zu Hause geht es um individuelle Emotionen von Eltern und Babys, die von professionellen Geburtsfotografen ästhetisch festgehalten werden können.

Hier darf - ja muss man - Vertrauen zu dem/r Fotografen/in aufbauen durch vorherige Gespräche und zum Beispiel das Teilen des Geburtsplanes.

Das Gespräch mit Julia über meine Vorstellungen zum Geburtsshooting half mir sogar, mit noch größerer Klarheit und Gelassenheit der Geburt entgegenzusehen.

Collage gerade geborenes Baby liegt bei Papa auf der Brust, Geburtsfotografie in Hannover

Professionelle Fotos hatte ich mir bis dato tatsächlich nur für unsere Hochzeit gewünscht und auch finanziell für gerechtfertigt gehalten, bzw. generell für solche Momente, in denen man top-gestylt auch noch Zeit hat, sich die schönsten gestellten Posen auszudenken, um sich diese dann eingerahmt ins Wohnzimmer zu hängen.

Dies hätte ich mir für eine Geburt überhaupt nicht vorstellen können. Dass ich nun selber wunderschöne Bilder der Geburt meines ersten Kindes in einem besonderen Fotobuch immer wieder bestaunen kann und dass es einige von ihnen sogar an die Wand geschafft haben, hätte ich mir nicht im entferntesten träumen lassen.

Gerade für eine Frau ist die Geburt des Kindes ein so intensives Erlebnis, welches es besonders verdient hat, festgehalten zu werden. Nicht nur zur Erinnerung, sondern auch später für das Kind, seine eigenen ersten Lebensstunden bewundern zu dürfen.

Eltern liegen mit gerade geborenen Baby auf dem Geburtsbett im Geburtshaus

Wahrscheinlich werde ich nie wieder authentischere Bilder von uns als Familie sehen

Letztendlich hat mein Mann während der Zeit im Geburtshaus ganze zwei Fotos mit seinem Handy geschossen. Nur mit diesen beiden unscharfen und eher unschönen Perspektiven wären all die schönen kleinen Momente und Erinnerungen an die Geburt bestimmt bereits in Vergessenheit geraten.

Zum Glück habe ich mich durch mein erst voreiliges Versprechen auch danach aktiv für die Fotografie meiner allerersten Geburt entschieden!

Um ehrlich zu sein, habe ich Julia während der Stunden im Geburtshaus gar nicht groß wahrgenommen. Zu sehr war ich unter den Wehen mit mir und Eliphas beschäftigt und nach der Geburt schlichtweg im siebten Himmel.

Wahrscheinlich werde ich nie wieder authentischere Bilder von uns als Familie sehen.

Mit der genau richtigen Balance zwischen respektvoller Distanziertheit und empathischem Feingefühl sorgte Julia sogar noch für zusätzliche Ruhe und Gelassenheit.

Ich kann ihr nicht genug danken, dass ihre schönen Bilder den Moment der Geburt am Leben halten. Mittlerweile durften schon weitere Mütter und Familien von Julias wundervollen Geburtsbildern beglückt werden.

Jede Geburtsfotografie und die damit verbundenen Gespräche im Freundeskreis trägt darüber hinaus dazu bei, das Thema Geburt in unserer Gesellschaft zu enttabuisieren. Anspruchsvolle Geburtsfotografie vermittelt werdenden Müttern positive Emotionen von dem bevorstehenden großen Ereignis im bewussten Gegensatz zu den eher dramatisch verzerrten Fotos, die im Internet kursieren. Dieses neue “Mama-mindset” ermöglicht eine angstfreie und sanfte Geburt.

Ich kann daher alle werdenden Mütter und Väter nur darin bestärken, sich mit der Geburtsfotografie zu beschäftigen – und sich eventuell sogar darauf einzulassen. Es lohnt sich!

Collage der U1 eines neugeborenen Babys, es wird gemessen und angezogen

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Portrait Julia Schlenkrich, schaut direkt in die Kamera

Hi, ich bin Julia

Ich habe mich auf die Familien- und Geburtsfotografie spezialisiert und seit 2013 für über 500 Familien das festgehalten, was eines Tages das kostbarste ist, das sie besitzen: Ihre unbändige Liebe zueinander auf Bildern für die Ewigkeit.

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